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Farbpigmente nach historischen Vorbild selber hergestellt

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Wie ich überhaupt dazu gekommen bin, meine eigenen Farben herzustellen

Das Ganze hat eigentlich damit angefangen, dass ich irgendwann all meine Sachen verkauft habe und als Künstler und Backpacker auf Reisen gegangen bin. Ich wollte einfach unterwegs sein, die Welt entdecken, draußen sein, in der Natur sein. Aber natürlich wollte ich auch weiterhin Kunst machen.

Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt: Wie mache ich das eigentlich mit den Farben? Ich kann ja nicht ständig irgendwelche Tuben mit mir herumschleppen. Und ich kann auch nicht überall, wo ich gerade bin, einfach in einen Laden gehen und mir neue Farben kaufen.

Und dann kam mir dieser Gedanke: Wie haben die Menschen das denn eigentlich früher gemacht?

Also bevor es überhaupt industriell hergestellte Farben gab. Bevor man einfach in ein Geschäft gehen und sich eine Tube Rot, Gelb oder Blau kaufen konnte. Es ist doch faszinierend, was Menschen mit den Mitteln, die sie damals hatten, alles erschaffen konnten.

So bin ich auf die Ei-Tempera-Malerei gestoßen, eine jahrhundertealte Maltechnik, bei der man Pigmente mit Eigelb zu Farbe verarbeitet. Ich habe dann tatsächlich mit ganz einfachen Sachen angefangen. Mit Kurkuma zum Beispiel, mit Zimt, Kohle und mit Dingen, die man im Haushalt so findet.

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Wie ich in Jena gelandet bin – und was ich dort entdeckt habe

Eigentlich wollte ich den Mittelrhein weiter mit Rucksack und Zelt entlangwandern, aber dann bin ich schließlich in Jena gelandet. Als ich in der Landesbibliothek Jena ein Buch über Pigmente aufschlug, staunte ich nicht schlecht. Es gab ein Pigment, das heißt „Jena-Ocker“. Als ich angefangen hatte, die Landschaft hier genauer anzuschauen, fand ich diesen gelben Stein.

Es war diese unglaubliche Vielfalt an Gesteinen und vielfältigen Farben. Ich habe hier gelbe, gelbgrüne und ockerfarbene Steine entdeckt, die teilweise so weich und verwittert sind, dass man sie relativ leicht zerreiben kann. Dann gibt es diese roten Sandsteine, zum Beispiel in der Gegend von Stadtroda, in der Nähe des Bahnhofs. Es war ein grünblauer dabei, und ich habe Steine gesehen, die fast schokoladenbraun-violett aussehen.

Da fühlt sich ein Pigmentsammler wie in der Süßigkeiten-Abteilung! Also lass uns mal herausfinden, ob man diese Farben tatsächlich zum Malen verwenden kann.

Seitdem ich meine eigenen Pigmente herstelle, gehe ich noch einmal mit ganz anderen Augen durch die Landschaft. Wenn ich die ockerfarbenen Sandsteinfelsen sehe, frage ich mich, wie dieses Gestein als Farbe auf meiner Leinwand aussehen würde.

Manchmal entdeckt man dann in irgendwelchen Felsspalten schon ganz feine, durch die Verwitterung entstandene farbige Erde. Das macht einen Spaziergang durch die Natur zu einer kleinen Schatzsuche.

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Aus einem Stein wird Farbe

Wenn ich einen geeigneten Stein gefunden habe, nehme ich ihn mit und fange an, ihn zu verarbeiten. Ich zerkleinere ihn in meinem Mörser und mahle ihn immer feiner. Dann gebe ich das feine Gestein in Wasser. Durch das sogenannte Schlämmen kann ich die feineren Pigmentteilchen von den gröberen Bestandteilen trennen. Die groben Teile sinken nach unten. Die feinen Pigmente, die im Wasser schweben, werden abgegossen, getrocknet und sind dann nach ein paar Tagen einsatzbereit.

Es ist ein zeitaufwendiger Vorgang. Das ist nicht so, dass man mal eben einen Stein nimmt, ein bisschen darauf herumreibt und fünf Minuten später eine fertige Farbe hat. Manchmal bin ich eine ganze Woche damit beschäftigt, um am Ende vielleicht gerade einmal genug für ein winziges Gläschen Pigment zu haben.

Wenn man sich überlegt, wie viel Gestein man dafür vorher gesammelt und verarbeitet hat, ist das schon erstaunlich. Doch ich liebe diesen Prozess. Das Mörsern und Mahlen ist für mich unglaublich meditativ. Es hat etwas sehr Beruhigendes.

Manchmal sieht das trockene Pigment erst einmal ziemlich blass aus. Dann gibt man Wasser dazu, vermischt es mit dem Eigelb – und auf einmal kommt diese ursprüngliche, kräftige Farbe wieder zum Vorschein. Es ist spannend, wie viel Zeit und Arbeit in dieser kleinen Menge Farbe steckt. Das ist für mich ein völlig anderes Gefühl, als einfach eine Tube aufzumachen.

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Was mich an der Erdgeschichte so fasziniert

Hast du dich einmal gefragt, wie lange es gedauert hat, bis diese farbigen Steine in der Erdgeschichte entstanden sind?

Wir reden hier teilweise von Gesteinsformationen, deren Geschichte ungefähr 250 Millionen Jahre zurückreicht. Weit vor den Dinosauriern. Das kann man sich kaum vorstellen. Da liegt ein roter Sandstein vor mir, der Teil einer Landschaft ist, deren geologische Geschichte so unvorstellbar weit zurückreicht.

Diesen Stein nehme ich heute, zermahle ihn und mache daraus eine Farbe. So lange hat das Kunstwerk gebraucht, um zu entstehen. Und es bedeutet, dass in meinem Bild tatsächlich ein Stück dieser Landschaft steckt. Ein Stück Erdgeschichte.

Ich finde diesen Gedanken einfach gewaltig. Es entsteht für mich auch eine unglaublich starke Verbindung zur Natur.

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Warum mich die alten Maltechniken so begeistern

Mich beschäftigt dabei immer wieder die Frage, wie die Menschen früher eigentlich gearbeitet haben. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Aufwand es einmal bedeutet hat, überhaupt an eine bestimmte Farbe zu kommen!

Heute gehen wir in einen Laden, kaufen eine Tube und haben sofort genau den Farbton, den wir brauchen. Früher musste jemand diese Materialien erst einmal finden, gewinnen, reinigen, zerkleinern und zu einer verwendbaren Farbe verarbeiten.

Daraus entstanden Kunstwerke, die wir teilweise heute noch bewundern können.

Gerade weil ich jetzt selbst merke, wie aufwendig es sein kann, nur eine kleine Menge Pigment herzustellen, entwickelt man dadurch eine ganz andere Ehrfurcht vor dem Handwerk. Vor dem Wissen, das sich Menschen über Generationen angeeignet haben.

Ich möchte diese Techniken wiederentdecken und für meine eigene Kunst nutzen. Ich probiere aus, ich experimentiere, ich entdecke neue Materialien. Es gibt noch so viele Gesteine und Mineralien, mit denen ich mich beschäftigen möchte.

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Was das mit Dankbarkeit zu tun hat

Ich denke oft darüber nach, in was für einer Welt wir heute eigentlich leben. Wir haben so viele Dinge, die für uns völlig selbstverständlich geworden sind. Wir haben Strom. Wir haben fließendes Wasser. Wir haben warme Wohnungen. Wir können uns etwas bestellen, und manchmal steht es schon am nächsten Tag vor unserer Tür.

Wenn man sich aber einmal damit beschäftigt, wie die Menschen vor tausend oder zweitausend Jahren gelebt und gearbeitet haben, dann bekommt das alles plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Dann merkt man erst einmal, was für ein unglaublicher Komfort das eigentlich ist, den viele von uns heute genießen dürfen, Woran nichts falsch ist. Man nimmt es nur für selbstverständlich.

Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass wir wieder mehr Dankbarkeit entwickeln für die Dinge, die wir bereits haben.

Genau das erlebe ich auch bei meinen Farben. Wenn ich eine Woche brauche, um ein winziges Gläschen Pigment herzustellen, dann schaue ich auf diese Farbe plötzlich mit einer ganz anderen Wertschätzung. Ich hoffe, dass sich dieser Gedanke auch auf viele andere Bereiche unseres Lebens übertragen lässt.

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Warum ich möglichst mit natürlichen Materialien arbeiten möchte

Es gibt noch einen anderen Aspekt, den ich bis hier gar nicht erwähnt hatte. Früher habe ich viel mit Acrylfarben   gearbeitet. Als ich irgendwann meine Pinsel ausgewaschen habe, sind die Acryl-Farbreste beim Aufräumen im Abfluss gelandet. Es ist eine industrielle Farbe, und Acryl ist nicht gut für die Umwelt und sollte am besten nicht im Trinkwasser landen. Das hat sich für mich nicht mehr richtig angefühlt.

Ich wollte gerne unabhängiger von industriell hergestellten Farben werden. Ich wollte Gewissheit darüber, womit ich eigentlich male. Ich wollte nach Möglichkeit Materialien verwenden, die ich selbst aus der Natur gewinnen kann oder die zumindest ökologisch verträglich sind.

Was mich wirklich überrascht hat, ist, wie viele Möglichkeiten diese alte Ei-Tempera-Technik bietet.

Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass ich mich künstlerisch grundsätzlich einschränken muss, nur weil ich nicht mehr einfach zu einer Acrylfarbtube greife.

Im Gegenteil. Es eröffnet sich für mich gerade eine völlig neue Welt.

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Gold und die innere Schöpferkraft des Menschen

Eines meiner liebsten Symbole für das schöpferische Positive, das in jedem von uns steckt, ist das Gold, das sich wie eine junge Pflanze seinen Weg aus der Erde emporbahnt. Wie das fließende Leben, das in unserer Mitte liegt.

Hier lege ich 23-karätiges Blattgold auf, um das Kunstwerk zu krönen.

Es steht für unser Herz, für unser Innerstes. Es erinnert uns daran, wieder zu uns selbst zu finden. Daran, dass wir lernen, uns selbst zu spüren und mit uns selbst in Frieden zu sein.

Denn ich glaube, dass alles, was sich in der Welt verändern soll, letztlich bei uns selbst beginnt.

 

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